Samstag, 22. März 2014

[Buchrezension] Robin Sloan - Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra





Robin Sloan - Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra
352 Seiten || Gebundene Ausgabe || 19,99€
ISBN: 978-3-89667-480-7
Cover Quelle: randomhouse.de



"Als Clay Jannon seinen Job als Webdesigner verliert, meldet er sich auf eine Stellenanzeige hin bei Mr. Penumbra, der in San Francisco eine alte, verstaubte Buchhandlung betreibt, die rund um die Uhr geöffnet ist. Clay übernimmt die Nachtschicht, und bald ist ihm klar, dass hier irgendetwas nicht stimmt: Die Kunden kaufen nichts, sondern leihen die Bücher nur aus, drei Stockwerke hohe Regale beherbergen riesige Folianten, die keine Texte beinhalten, sondern nur ellenlange Reihen aus Buchstaben. Nach und nach findet Clay heraus, dass Mr. Penumbra und seine Kunden einem uralten Geheimnis auf der Spur sind. Mit der Unterstützung seiner Freundin Kat und seines ältesten Kumpels Neel, sowie der Weisheit von Mr. Penumbra, macht sich Clay daran, dieses Geheimnis zu lüften. Ein Geheimnis, das bis in die Anfangszeiten des Buchdrucks zurückreicht."


"Verloren im Schatten der Regale, falle ich fast von der Leiter."


Optisch ist dieses Buch wirklich sehr gelungen. Es spiegelt exakt das wieder, was ich mir beim lesen der ersten Seiten vorgestellt habe. Die Schriftart auf dem Cover, die auch an der Seite wiederzufinden ist, gefällt mir sehr gut. Während ich das Buch gelesen habe, habe ich mir erst eine andere Schriftart für das Cover gewünscht. Da man meine gewünschte Schriftart aber im Buch wiederfindet, bin ich auch so ganz zufrieden.
Unterteilt ist das Buch in drei Abschnitte und natürlich in Kapitel. Die Kapitel hatten eine schöne Länge und machten das Lesen des Buches nochmal angenehmer.

Ich muss sagen, dass ich den Schreibstil zu Anfang nicht so toll fand und ich auch wirklich eine Zeit gebraucht habe, bis mich der Autor mit seinem Schreibstil richtig packen konnte. Aber als ich dann erstmal richtig drin war, ließ sich dieses Buch wunderbar flüssig lesen. Ja, zum Ende hin war es sogar ein wirklicher Genuss.

“Ich wusste nicht, dass Leute in deinem Alter noch Bücher kaufen”, sagt Penumbra. Er hebt eine Augenbraue. “Mein Eindruck war, dass sie alles auf ihrem Handy lesen.” 
“Nicht alle. Es gibt genügend Leute, die, wissen Sie – Leute, die immer noch den Geruch von Büchern mögen.” – |Seite 85|

Bei den Charakteren war ich ziemlich geteilter Meinung.
Mr. Penumbra war wirklich so, wie ich es mir erhofft und vorgestellt habe. In etwa so, wie man sich einen alten Mann vorstellt, der eine Buchhandlung besitzt.Ein sehr gemütlicher alter Mann und irgendwie auf seine Art sympathisch.
Bei Clay hatte ich Anfangs so meine Probleme aber auch er gefiel mir zum Ende hin sehr gut, manchmal kamen seine Gefühle nicht so rüber, ja zeitweise dachte ich sogar, dass er sehr gefühlskalt wäre. Sowas macht für mich einen Beziehungsaufbau immer ein wenig schwer. Das lag aber sicher auch daran, dass der Autor nicht alles seiner Charaktere auf einmal am Anfang offenbart hat, sondern erst nach und nach. Trotzdem hat der Autor es geschafft, dass ich gerne mit Clay durch diese Story gegangen bin.
Da dieses Buch einige Nebencharaktere hatte, hatte ich am Anfang noch die Befürchtung, dass ich am Ende alle Charaktere durcheinander schmeiße. Da sich aber zum Glück die Namen nicht ähnlich klangen, war das kein Problem. Zwischenzeitlich tat sich mir aber schon mal die Frage auf, was macht eigentlich gerade ... oder ...? Manche schienen mir wie plötzlich verschwunden aus dem Buch. 

"Rosemary, warum magst du Bücher so gern?" [...] "Ich schätze mal, ich mag sie, weil sie leise sind und ich sie in den Park mitnehmen kann." Sie kneift die Augen zusammen. [...] "Naja, also eigentlich mag ich Bücher so gern, weil sie meine besten Freunde sind." - |Seite 132|


Direkt vorweg kann ich sagen, ich habe mich im ersten Abschnitt am wohlsten gefühlt. Man betritt mit Clay zusammen einen kleine urige alte Buchhandlung. Clay beschreibt sie einem mit meter hohen Regalen, die voll mit alten Bücher stehen. Sich das alles selbst vor zu stellen war ein richtiger Genuss, hinzu kam, dass ich auch gleich den Geruch von alten Büchern in der Nase hatte.
Hier dachte ich noch, hoffentlich geht das hier alles so zauberhaft weiter und ich lerne die Welt der Bücher auch nochmal aus einem, mir vielleicht bisher unbekannten, Blickwinkel kennen.
Doch sehr schnell musste ich feststellen, dass die Charaktere in diesem Buch nicht so an Büchern und an wundervollen Geschichten interessiert sind, wie wir das vielleicht sind. In den Köpfen dieser Charaktere dreht es sich hauptsächlich um eines, um die Technik und damit verbundene Programmierungen. Clay fand in den Büchern auch nicht die Art von Rätsel die ich mir vorgestellt hatte, er fand Codes, die für jeden Normalo keinen Sinn ergeben.
Für mich kamen hier die ersten Enttäuschungen zusammen, ich merkte, dass es sich nicht nur um Bücher drehen würde und das das Rätsel nicht etwas wundervolles sein wird, sondern vielmehr irgendwas High Tech mäßiges. Der erste Dämpfer war mir also gegeben, dennoch wollte ich weiterhin wissen, welches Rätsel die Bücher nun genau enthalten. Was ist das besondere daran, dass immer wieder Menschen kommen und diese Bücher ausleihen. Ich wollte mit Clay auf die Jagd gehen und herausfinden was die Bücher aus Mr. Penumbras Buchhandlung zu bedeuten hatten.
Zwischen Abschnitt zwei und drei verlor ich leider irgendwann den Faden, es wurde immer komplizierter und die Themen rund um Technik, Computer und Programmierung nahmen zu. Ja, man musste förmlich zum Nerd werden, um mit dem Buch mithalten zu können. Auch ging dort irgendwo die Spannung für mich verloren, denn irgendwie war das Rätsel dort schon gelöst, wenn auch noch nicht vollständig. Aber für mich war der Reiz verflogen, herauszufinden was es mit den Büchern auf sich hat. Das Thema Google drängte sich mehr und mehr in den Vordergrund und ich stelle mir die Frage, ab wann es to much ist und ab wann es noch im Rahmen ist eine Firma in einem Buch so zu loben und in den Himmel zu heben. Auch nahm das drumherum immer mehr Sekten ähnliche Formen an, auch wenn Penumbra tunlichst rauf besteht, dass er kein Mitglied einer Sekte ist. Für mich wurde es schon fast ein wenig zu skurril, dennoch hatte ich Spaß an dem Buch und habe es gerne gelesen. Das lag vermutlich daran, weil mich Abschnitt eins und Abschnitt zwei noch sehr gut überzeugen konnten.
Ich verstehe auch, was der Autor mit diesem Buch seinen Lesern sagen will und wie ich finde ist dies eine sehr wichtige Botschaft. Das Thema digitale Medien gegen Print Medien wird uns sicher noch eine ganze Zeit lang beschäftigen.


Es ist schwer, an dieses Buch mit keinerlei Erwartungen heran zu gehen, denn auch ich hatte gewisse Erwartungen. Wenn man dies aber tut, dann kann ich mir sehr gut vorstellen, dass dieses Buch mehr Menschen beeindrucken kann, als es bisher tut.
Eine Liebeserklärung an die von uns so geliebten Bücher sollte man hier nicht erwarten, denn das bekommt man leider nicht geboten. Vielmehr sollte man offen sein, für neuste Technik und für die Computer Branche allgemein.
Mich hat dieses Buch sehr gut unterhalten, einen Schmetterling Abzug gibt es lediglich, weil gegen Ende die Spannung flöten ging und dort viel mehr drin gewesen wäre.
Eine Leseempfehlung bekommt dieses Buch aber trotzdem von mir.

4 von 5 Schmetterlingen


Vielen Dank an den Blessing Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

Kommentare:

  1. Das Buch klingt sehr interessant. Durch deine Rezension bin ich allerdings etwas hin und her gerissen. Aber ich denke ich werde es mal auf meine Wunschliste setzen :D

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    1. Hey Kathi :),
      ich freue mich gerade total wieder ein Kommentar von dir hier zu finden. Finde ich toll, dass du wieder öfter hier vorbeischaust. :)
      Ja, ich glaube einfach, bei diesem Buch muss man sich selbst ein Urteil bilde. Dem einen wirds gefallen, anderen wohl eher nicht so.

      Wünsche Dir noch einen schönen Sonntag!
      Vanessa

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  2. Klingt wirklich sehr interessant, habe es mal auf meine Wunschliste gepackt, obwohl sich ja die Geister wirklich scheiden bei diesem Buch...da heißt es wohl: selbst schauen ob's gefällt ;)
    Ich lese (bzw höre) zur Zeit übrigens auch den dritten Känguru-Band! :)

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    1. Hallo Hannah,

      ja, du hast vollkommen Recht.
      Bei diesem Buch scheiden sich wirklich die Geister.
      Es bleibt einem irgendwie nichts anderes übrig, als es selbst zu lesen und zu urteilen.

      Liebe Grüße und noch einen schönen Sonntag
      Vanessa

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  3. Hallöchen meine Liebe!
    ich habe mal eben nur das Fazit gelesen und weiß irgendwie immer noch nicht so richtig, ob ich dieses Buch wirklich lesen will oder eher nicht.. aber ich tendiere wohl eher dazu es nicht lesen zu wollen .. ich glaube es ist einfach nicht so mein Stil :l

    Liebst, Lotta

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    1. Hallöööchen Lotta,

      bei den geteilten Rezensionen die man so findet ist es auch wirklich nicht einfach sich zu entscheiden. :/
      Ich würde mich freuen, wenn du es vielleicht doch noch lese würdest. :)

      Liebe Grüße
      Vanessa

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  4. Ich schließe mich Lotta an. Ich habe ebenfalls nur das Fazit gelesen und bin mir immer noch unsicher, ob ich es lesen möchte, oder nicht. Ich warte jetzt noch mal ein paar Rezensionen ab und entscheide mich dann.
    GLG
    Kitty ♥

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  5. Hallo,

    ich finde es gut, dass du in deiner Rezension zwar die "Schattenseiten" ansprichst - und zwar die hohen Erwartungen, die nicht eingehalten werden vom Buch -, aber dennoch eine recht positive Rezension schreiben kannst. Du gibst mir die Hoffnung, dass das Buch mir trotz der vielen negativen Stimmen gefallen wird :)

    Liebe Grüße,
    Fraencis

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    1. Hallo Fräncis,
      ich denke einfach es fehlt irgendwie der kleine Hinweis im Klappentext es Buches, dadurch geht man an das Buch mit falschen Erwartungen.
      Wenn man sich wirklich ein bisschen für Technik interessiert und die Enttäuschung zurücklassen kann, dann kann man das Buch auch genießen. So ging es mir und daher auch die gute 4 Schmetterlinge Bewertung. :)

      Liebe Grüße
      Vanessa

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    2. Hallo Vanessa,

      sonst wird immer so viel in Klappentexten verraten, nur dann, wenn es gut wäre, wird es nicht gemacht ;) Ich bin jetzt nicht der absolute Technik-Nerd, aber ich bin dem Thema sicherlich nicht abgeneigt. Werde mich demnächst also mal daran versuchen :) Wie gesagt, deine Rezension und deine Bewertung geben mir Hoffnung.

      Liebe Grüße,
      Fraencis

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  6. Eine tolle und ehrliche Rezension :) Und danke für die Warnung, ich wollte es auch bereits mit der falschen Erwartung lesen und jetzt kann ich es mir nochmal durch den Kopf gehen lassen ob das Buch wirklich was für mich ist :)

    Ich habe dich übrigens für das Blogstöcken vom Best Blog Award nominiert :)
    http://tasmetu.wordpress.com/2014/03/24/572/

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    1. Vielen Dank für den Blog Award! :)
      Ich werde die Fragen mal beantworten in einem der nächsten Posts! :)

      Liebe Grüße
      Vanessa

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Ich freue mich auf eure Kommentare :))